Eignet sich Horsemanship für jedes Pferd?

von Danny
Lesezeit: 14 Minuten oder als Video/Podcast verfügbar
Moin & Herzlich Willkommen liebe Pferdefreunde, 
 
in dieser Folge geht es um das Thema, ob Horsemanship für jedes Pferd geeignet ist. Um das vorweg zu nehmen, ich bin überzeugt, dass man mit jedem Pferd nicht nur Horsemanship Training machen kann, sondern dass man es auch tun sollte. In diesem Podcast erkläre ich euch, wieso.
 
 

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BlueSky Podcast 003 Ist Horsemanship für jedes Pferd geeignet?

Timecodes

0:00 Intro
0:55 Übersicht aller Themenfelder des Horsemanship
2:36 Pferdehaltung und Training im Winter
6:20 Training und Bodenarbeit nach Horsemanship Prinzipien 
6:47 BlueSky Horsemanship Ausbildungsskala
  • Gesundheit
  • Sicherheit
  • Respekt
  • Vertrauen
  • Entspannung
  • Verständnis
  • Balance
  • Motivation
  • Energie
  • Leichtigkeit
13:10 Outro mit Hinweis auf Kontaktmöglichkeiten
 

Inhalt

 
In der letzten Folge des Podcasts bin ich auf die Definitionen von Longieren - Bodenarbeit - Horsemanship eingegangen und habe dabei schon einige Gedanken zum Thema Horsemanship geäußert. Darin habe ich erläutert, welche Gedankenwelt für mich hinter Horsemanship steht. In diesem Podcast werde ich einen Teil davon wiederholen, gehe dann aber einen Schritt weiter und schaue mir mit euch zusammen die Bodenarbeit unter Horsemanship Prinzipien in der Praxis an. Hört euch daher auch den vorigen Podcast gerne an um ein Gesamtbild zu bekommen. -> Wo ist der Unterschied zwischen Longieren, Bodenarbeit und Horsemanship?
 
 

Übersicht aller Themenfelder des Horsemanship

Beginnen wir also mit einem Überflug, was alles für mich zum Begriff "Horsemanship" gehört. In Kurzform ist es die gesamte Einstellung und der Umgang mit dem Pferd und ist daher viel mehr als nur "Arbeit am Boden mit dem Pferd" oder "Parellis 7 Spiele". Für mich ist Horsemanship eine Philosophie und keine Reitweise oder Trainingsart. Horsemanship ist meiner Meinung nach die absolute Basis für ein Verständnis zwischen Pferd und Mensch und somit für die gesamte gemeinsame Arbeit.
 
Finn und Danny
 
Da es mir ein Herzensanliegen ist möchte ich hier noch einmal die Aufstellung der Themen zeigen, mit denen sich jeder auseinandersetzen sollte, der ein Pferd betreut: 
- Haltungsbedingungen & Bewegungsangebot in der Freizeit des Pferdes
- Futter
- Hufpflege
- Zahnpflege
- Tierärztliche / ganzheitliche Kontrolle und Versorgung (Chiropraktik, Osteopathie, Physiotherapie, etc.)
- Auswahl des passenden Sattels
- Auswahl des passenden Zaums
- individuell auf das Pferd und Reiter abgestimmtes Training
- Schulung des Reiters/Besitzers/Betreuers des Pferdes
 
Jeder Pferdemensch sollte sich mit den Grundlagen des jeweiligen Themenkomplexes beschäftigen um den Zustand und das Wohlbefinden des vierbeinigen Partners sicherstellen und bewerten zu können.
Die meisten Pferde sind freundlich und als Herdentiere an Harmonie interessiert. Wenn die oben beschriebenen Grundvoraussetzungen passen schafft man so die perfekten Bedingungen für ein entspanntes Training und ein harmonisches Miteinander.
 
 

Pferdehaltung und Training im Winter

Aufgrund der Pferdehaltungen hier in Deutschland findet man deshalb auch oft im Winter eine Delle in der Entwicklung des Pferdes. Im Sommer ist das Wetter öfter sonnig, die Pferde dürfen viel Zeit in der Herde auf der Weide verbringen und können sich dort nach Belieben bewegen. Im Winter ist das Bewegungsangebot und die Möglichkeit von Sozialkontakten oft stark eingeschränkt. Das Wetter mit langen, nass-kalten Nächte und wenig Sonnenlicht tut sein übriges. Kein Wunder also, dass die Pferde zu viel Energie haben, wenig motiviert und mental unausgeglichen sind. 
 
Immerhin findet langsam ein Umdenken statt, viele Stall- und Pferdebesitzer erkennen das Problem und strukturieren ihren Stall um. Es gibt immer öfter Ställe mit ganztägigem Auslauf auf größeren Flächen, gut geplante Offenställe oder Paddocktrails die oft ganzjährig genutzt werden. Die Stallbetreiber werden sensibler für spezielle Bedürfnisse der Einstaller, was Trainings- und Bewegungsangebote angeht, aber auch in der Fütterung oder Einstreu. Mittlerweile werden spezielle Grasmischungen für Pferdeweiden angeboten und eine deutlich geringere Düngung, damit die Weide möglichst mager bleibt und dem natürlichen Lebensraum der Pferde näher kommt. Es tut sich also etwas, zum Wohle der Pferde. 
 
Wir als Pferdebesitzer müssen dennoch meistens einen Kompromiss eingehen zwischen unseren Bedürfnissen und den Bedürfnissen des Pferdes. Aus meiner Erfahrung gibt es den perfekten Stall nicht, aber man sollte Ausschau halten nach dem Stall, der dem perfekten Stall am nächsten kommt. Dazu gehört auch auf das Pferd zu hören. Benötigt es nachts seine eigene Box um zur Ruhe zu kommen? Ist es eher in großen Herden oder mit wenigen Weidekumpeln zufrieden? Lässt es sich durch Unruhe in der Umgebung, z.B. an größeren Ställen, durch vielbefahrene Straßen, die Nähe zu einem Gewerbegebiet oder einer Wohnsiedlung aus der Ruhe bringen? Ist es in der zugewiesenen Gruppe zufrieden und kann sich entspannen? Gibt es ständige Kämpfe oder regelmäßig Unruhe durch Wechsel im Bestand? Ist das Stallmanagement einwandfrei? Unsere Bedürfnisse erstrecken sich dann von der Stallgemeinschaft über das Ausreitgelände und die Übungsmöglichkeiten bis hin zu der Frage ob ein Selbst- oder Teilversorgerstall in Frage kommt. Schlussendlich spielt dann die Frage des Geldes auch noch eine Rolle mit. Es macht bei einem neuen Pferd Sinn sich mit den Vorbesitzern zu unterhalten und es in seiner bisherigen Umgebung zu beobachten. Da finden sich schnell Hinweise, ob die aktuelle Haltungssituation für das Pferd angenehm ist und das erleichtert dann die Suche nach einem passenden Stall. 
 
 

Training und Bodenarbeit nach Horsemanship Prinzipien 

Vielleicht fragt sich jetzt der eine oder andere, was das mit der Frage zu tun hat ob Horsemanship für jedes Pferd geeignet ist ;) 
In meinen Augen ist gerade die Pferdehaltung schon der Punkt, der über Erfolg und Misserfolg des Trainings entscheiden kann. Ein Pferd, dass in seiner Freizeit mit seiner Umgebung unzufrieden ist, dort ständig angespannt und gestresst ist wird seltenst ein guter Trainings- und Freizeitpartner sein. Das alles gehört für mich schon zu dem Thema Horsemanship dazu und ich erwähne es in diesem Podcast so ausführlich, da sich das Training mit einem grundsätzlich zufriedenen und ausgeglichenen Pferd deutlich einfacher darstellt als mit einem unruhigen und gestressten Pferd. 
 
Aber kommen wir jetzt zum eigentlichen Thema, dem Training bzw. der Bodenarbeit nach Horsemanship Prinzipien. 
Für mich sind nicht die Übungen an sich das Ausschlag gebende, es ist die Art und Weise, wie trainiert wird. Dementsprechend gibt es gute und schlechte Reitlehrer, Horsemanship Trainer oder Pferdecoaches. Es spielt keine Rolle ob da "Westernreiten", "Dressurreiten", "Springreiten" oder beispielsweise "Parelli" dran steht. Wichtig ist, was drin ist ;) 
 
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BlueSky Horsemanship Ausbildungsskala

Auf welche Art und Weise sollte ein guter Horseman arbeiten? Ich habe dazu meine eigene "BlueSky Horsemanship Ausbildungsskala" erarbeitet. Sie besteht aus 10 Punkten, die sich mit dem mentalen und körperlichen Zustand des Pferdes befassen. Das sind: 
  • Gesundheit
  • Sicherheit
  • Respekt
  • Vertrauen
  • Entspannung
  • Verständnis
  • Balance
  • Motivation
  • Energie
  • Leichtigkeit
 
Desensibilisierung
 
Die Besonderheit an dieser "Ausbildungsskala je Übung" ist, dass ich sie für jede Übung nutze um den Fortschritt und die Qualität bewerten zu können. Dabei hilft sie jederzeit den Überblick zu behalten und schnell erkennen zu können, auf welche Stufe man zurück gehen muss um die Übung erfolgreich zu absolvieren. Es ist nicht so wie bei den anderen Ausbildungsskalen, dass sie die komplette Entwicklung des Pferdes bewertet und Anhaltspunkte zum Ausbildungsstand des Pferdes insgesamt gibt. Selbstverständlich folge ich neben der "Ausbildungsskala je Übung" einer bestimmten Reihenfolge in der ich bestimmte Übungen mit den Pferden absolviere um so immer höhere Stufen der Ausbildung zu erreichen - bis zu dem "perfekten Pferd". Das ist aber Thema eines eigenen Podcasts :) Bei mir spielt das "Wie" die große Rolle, das heißt wie taste ich mich an eine neue Übung heran, wie gehe ich vor und auf welche Qualitäten achte ich. Gehen wir also einmal ins Detail.
 
 
Der erste Punkt "Gesundheit" dürfte selbsterklärend sein. Natürlich arbeitet man nur mit Pferden, die körperlich fit sind, oder zielt im Training darauf ab, dass das Pferd wieder fit wird. 
 
Der zweite Punkt "Sicherheit" gilt für Mensch und Pferd, nur wenn beide in Sicherheit sind und das Verletzungspotential durch einen guten Übungsaufbau minimiert ist beginnt das Training Spaß zu machen. Leider wird das aus meiner Sicht oft sträflich vernachlässigt, zum Nachteil von Mensch und Pferd. Fehlende Sicherheit führt bei beiden zu Angst, da hilft es auch nichts, wenn der Trainer oder Reitlehrer das Geforderte mit dem jeweiligen Pferd leisten könnte. Auf das Bauchgefühl des Reiters muss immer Rücksicht genommen werden, ebenso auf das Sicherheitsbedürfnis des Pferdes. 
 
Finn Reitergewicht
 
Nicht umsonst erkläre ich vielen erstaunten Pferdebesitzern in einer der ersten Trainingsstunden, dass ich mich auf ca. 70-80% der Pferde, die geritten werden niemals setzen würde. Ganz ehrlich? Ich mag mein Leben! Aber Spaß beiseite. Ich möchte ein Pferd nicht überfordern, indem ich Dinge von ihm verlange, die es noch nicht zu leisten bereit ist. Daher erarbeite ich mir am Boden zuerst meine komplette "Ausbildungsskala" in den vorbereitenden Übungen, bevor ich das erste Mal aufsitze. Das selbst dann, wenn das Pferd bereits regelmäßig unter dem Sattel bewegt wird. Ich weiß nicht, wie es euch so geht, aber ich gebe rundheraus zu, dass ich definitiv nicht alle Unwilligkeits- oder Schreckreaktionen eines Pferdes sitzen könnte. Daher möchte ich mich zuerst mit dem Pferd vertraut machen, bevor ich Dinge voraussetze, die möglicherweise noch nicht erarbeitet wurden. Es kann somit sein, dass ich bereits nach 10 Minuten Bodenarbeit aufsitze, in anderen Fällen dauert es Wochen oder Monate bis der Punkt erreicht ist. Im Pferdetraining hat alles seine eigene Zeit und orientiert sich nicht nach unserer Uhr oder Terminplanung (sehr zum Leidwesen meines Mannes - der schon immer fragt "Pferdezeit oder normale Zeit" ;)
 
Das ist für mich ein zentral wichtiger Punkt: Das Pferd und mein/dein Bauchgefühl müssen beide "Ja" sagen. Erst dann ist der richtige Zeitpunkt fürs aufsitzen oder auch für jeden anderen neuen Ausbildungsschritt gekommen. 
 
Finn Trab
 
Kommen wir zur restliche Ausbildungsskala:
Ich arbeite bei jeder Übung an dem gegenseitigen Respekt und baue das gemeinsame Vertrauen auf. Ich arbeite daher in einer Umgebung, in der ich weiß, dass das Pferd entspannt auf Neues reagieren wird. Als weitere Zutat sorge für ein grundsätzliches Verständnis, zum einen meiner Hilfen und zum anderen von Druck. Druck kann dabei alles mögliche sein, das von außen auf das Pferd einwirkt. Beispielsweise vorbeilaufende Menschen und Pferde, die benachbarte Weide auf der gerade freudig galoppiert und gebuckelt wird, eine Plane im Wind, unerwartete Geräusche, usw. Jede Übung zielt unter anderem darauf ab, das Körpergefühl und die Balance des Pferdes zu steigern. Ich baue die Übungen so auf, dass das Pferd (und der Mensch) schnelle Erfolgserlebnisse hat und justiere das Training so für jedes einzelne Pferd-Reiter Paar nach. Nur so ist es möglich die Motivation auf einem hohen Niveau zu halten. Außerdem achte ich darauf, dass die Übungen mit einer guten Energie ausgeführt werden. Parallel dazu sorge ich aber auch dafür, dass immer wieder Raum zur Entspannung und Erholung in einer Trainingseinheit enthalten ist. Als letzter Punkt rundet die Leichtigkeit dann das Trainingsprogramm ab
 
Die Leichtigkeit, dass das Pferd schon bei meinem Gedanken das Gewünschte ausführt ist das große Ziel. Das ist für mich der Moment, in dem sich für Mensch und Pferd einfach alles richtig anfühlt. 
 
Dream it Do it
 
In den folgenden Podcasts werdet ihr immer wieder auf Teile dieser Ausbildungsskala treffen. Es kann sein, dass sie sich im Laufe der Zeit auch noch etwas wandelt. Auch ich lerne jeden Tag dazu, probiere Neues aus und entwickele mich weiter. Die bisherige "BlueSky Horsemanship Ausbildungsskala" ist das Ergebnis von insgesamt 24 Jahren Pferdeerfahrung, davon 10 Jahren im Pferdetraining und den vielen Pferden und Menschen, die ich im Laufe der Zeit einen Teil ihres gemeinsamen Weges begleiten durfte. 
 
Diese Ausbildungsskala gibt meine Art des Horsemanship Trainings wieder. Die aufgeführten Qualitäten, mit denen die einzelnen Übungen erarbeitet werden empfinde ich als Pferde- und auch Menschengerecht. Es wird ein gemeinsamer Weg beschritten. Wenn die einzelnen Qualitäten verstanden sind und in unterschiedlichen Übungen und Aufgaben immer wieder erarbeitet wurden kann jeder mit seinem Pferd beinahe alles erreichen. Neues zu vermitteln, wird auf diese Art ein Kinderspiel. 
 
Diese Denkweise und diese Art zu Arbeiten ist die Grundlage auf der ich behaupte, dass man mit jedem Pferd nicht nur Horsemanship Training machen kann, sondern dass man es auch tun sollte.
 
 
Jetzt sind wir schon am Ende dieser Podcast Folge angekommen :) Vielen Dank, dass ihr dabei gewesen seid. Ich hoffe es hat euch gefallen!
Ich freue mich auf das nächste Mal und wünsche euch bis dahin eine tolle Zeit!
 
Eure Daniela
 
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