"Der Weg zum Traumpferd" Teil 2 - Wie Probleme entstehen

von Danny

Teil 2 - Wie Probleme entstehen

Lesezeit: 24 Minuten auch als Audio oder Video verfügbar
In dieser Folge der Serie "Wege zum Traumpferd" möchte ich einmal den Blick für Ursachen von Problemen zwischen Mensch und Pferd schärfen. Dabei ist mir der Blick aus Sicht des Pferdes besonders wichtig, denn es passiert öfters, dass 1-2 ausführliche Proberitte harmonisch verlaufen sind, die gemeinsame Zeit entspannt war und kaum ist das Pferd am eigenen Stall beginnen die Schwierigkeiten. Meiner Meinung nach ermöglicht erst das Verständnis für die Pferde und für Ihre Verhaltensweisen das Lösen der Probleme. Manchmal können schon kleine Veränderungen große Erfolge zeigen ;)
 

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Timecodes

00:00 Intro
00:56 Betrug oder übertrieben positiv dargestellte Eigenschaften/Fähigkeiten
03:44 Charakter, Verhalten und Erfahrung von Mensch und Pferd müssen zusammen passen
09:51 Special: Introvertierte Pferde oder das Pulverfass
13:07 andere Haltungsbedingungen & neue Herde
15:19 neue Bezugsperson
17:09 veränderter Trainingsrhythmus 
18:55 verändertes Training/Umgang
21:01 anderes Equipment
 

Inhaltsverzeichnis

 

Betrug, körperliche Probleme oder übertrieben positiv dargestellte Eigenschaften/Fähigkeiten

Pferd tritt aus
Unbesehen im Internet gekauft kommt heute durchaus einmal vor. Wenn dann allerdings versehentlich das Shetty statt des Kaltblüters oder der Hengst statt einer Stute aus dem Anhänger steigt kommt man schon mal ins Grübeln ;)
OK, Scherz beiseite, das waren jetzt nicht so realistische Beispiele. Von einem reinen Kauf eines Pferdes über das Internet rate ich allerdings ab. Das macht einfach keinen Sinn, denn man möchte das Pferd in den meisten Fällen lange Jahre behalten und gemeinsam eine schöne Zeit verbringen. Dazu muss aber die Chemie stimmen und das kann man nur im direkten Kontakt herausfinden. 
 
Tatsächlich kommt es schon eher vor, dass Erkrankungen oder Verletzungen verschwiegen werden, Diagnosen des vorigen Tierarztes nicht mitgeteilt werden oder der Verkäufer schlicht etwas zu sehr "auf die Sahne" gehauen hat, als er beschrieben hat, was das Pferd so alles kann. Oder das Gegenteil, es wird zu wenig gesagt und die eine oder andere Unarten des Vierbeiners unterschlagen
 
Natürlich sind so Probleme vorprogrammiert, da der neue Pferdebesitzer erst einmal an die Aufrichtigkeit des Verkäufers glaubt und mit einer bestimmten Erwartung zu seinem neuen Pferd geht. Wenn sich dann herausstellt, dass das Pferd nicht dem entspricht, was verkauft wurde kann man vom Vertrag zurücktreten, den Kaufpreis mindern oder einen Kompromiss, wie Korrekturberitt o.ä. aushandeln. Bei körperlichen Problemen kommt es natürlich auf die Schwere des Problems an, sollte es keine Bagatelle sein und die Leistungsfähigkeit deutlich einschränken kommt beinahe nur die Rückabwicklung in Frage. Daher macht es Sinn sich falls möglich vorher schon über den Verkäufer zu informieren und sich evtl. auch andere Pferde zeigen zu lassen um ein Gefühl dafür zu bekommen, mit dem man gerade spricht. 
 
Gefährlich wird es bei körperlichen Problemen, wenn sie dazu führen, dass das Pferd Schmerzen hat und beispielsweise beim Reiten steigt oder buckelt. Deshalb empfehle ich einen guten Schmied, Tierarzt, Zahnarzt und Osteopathen einmal auf das Pferd schauen zu lassen, bevor man voll ins Training einsteigt. Gerade beim Osteopathen macht das am meisten Sinn nach der Herdenzusammenführung. Da kann es ja doch etwas ruppig zugehen.
 
 

Charakter, Verhalten und Erfahrung von Mensch und Pferd müssen zusammen passen

Traumpferd CharakterDie meisten Probleme entstehen dann, wenn unerfahrene Menschen ein Pferd kaufen, oder das "sowas hat mein altes Pferd nie gemacht"-Syndrom auftritt. Im Laufe der Jahre sammelt man Erfahrungen mit Pferden und im optimalen Fall immer mal wieder auch mit anderen, als seinem eigenen. Mit der Zeit hat man eine prall gefüllte Werkzeugkiste und zu jedem Problem verschiedene Lösungsansätze mit denen man puzzlen kann. Außerdem erkennt man schnell, ob das Pferd charakterlich zu einem passt oder nicht. Diese Werkzeugkiste und Erfahrung fehlt unerfahrenen Menschen einfach. Deshalb möchte ich hier einmal kurz auf die Charaktere von Mensch und Pferd eingehen, um einen kurzen Überblick über das Thema zu geben. 
 
Es gibt verschiedene Eigenschaften, die sowohl beim Pferd, aber auch beim Menschen vorkommen:
  • schreckhaft/impulsiv - gelassen/ruhig
  • bewegungsfreudig - lethargisch 
  • extrovertiert - introvertiert
  • Lernen: schnell - langsam
  • Exterieur: schwer - feingliedrig
 
Jeder Charakter hat seine Vorzüge, aber auch seine Nachteile. Wenn nun eine unerfahrene Person ein Pferd kaufen möchte, sollte möglichst eine Vertrauensperson mit viel Pferdeerfahrung mitkommen. Für so einen Termin sollte man sich Zeit nehmen, und evtl. an zwei Tagen hinfahren. Besonders im Sommer an eher milden Tagen, damit man einen möglichst realistischen Eindruck bekommen kann - wobei mal abgesehen vom Araber, dem macht die Temperatur nix und ebenfalls abgesehen vom Isländer, bei dem es schon lieber Richtung Minus Temperatur gehen darf ;)
 
Hier ein paar generelle Tipps, die bei der Kaufentscheidung helfen können:
  • Krankengeschichte (Tierarzt, Osteopath o.ä., Hufschmied, Futtermittelunverträglichkeiten, Ekzeme, chronische Erkrankungen)
  • aktueller Zustand (gepflegt oder eher vernachlässigt, Hufzustand, Gebäudemerkmale/Fehler)
  • aktuelles Training
  • aktuelle Haltung
  • Anzahl Vorbesitzer
  • Grund des Verkaufs
  • Welche Geschichte wird zu dem Pferd erzählt und passt das zu dem Verhalten / Proberitt?
 
Am Pferd:
  • Sympathie & unser Bauchgefühl gibt und oft den entscheidenden Hinweis
  • Verhalten an der Hand, beim Putzen und Satteln
  • Verhalten unterm Sattel
  • Reaktion auf Hilfen (treibende wie bremsende, Lenkung, notwendige Intensität der Hilfen)
  • Reaktion auf unerwartete Bewegungen oder Ereignisse
  • Beobachtung des Besitzers, kann man alles machen oder wird man "gelenkt"?
  • selbst Vorschläge machen, je nach Ausbildungsstand und angebotenen Eigenschaften z.B. Bodenarbeit, Geländeritt, Springen oder Dressurarbeit
 
Das Bauchgefühl ist am Ende der entscheidende Faktor, falls man sich unsicher ist sollte man das Pferd besser nicht nehmen. Unser Bauchgefühl weist in aller Regel in die richtige Richtung. Es wertet unbewusst alle Erfahrungen und Erlebnisse, die wir gemacht haben aus und wir geben deshalb Intuitiv die richtige Antwort. Trotzdem gibt es ein "Aber" - wenn man bisher wenig mit unterschiedlichen Pferden zu tun hatte ist der Bauch noch nicht gut trainiert und es sind wenige Erfahrungen auf die man zurückgreifen kann. Deshalb der Tipp einen erfahrenen Pferdemenschen mitzunehmen um sich zu beratschlagen und Beobachtungen auszutauschen
 
Pferde sind in den meisten Fällen ehrliche Tiere. Sie zeigen sich so, wie sie sind und man bekommt in der Regel sofort Antworten und Reaktionen, wenn man mit ihnen umgeht. Deshalb sollte man sich das Verhalten seines neuen Vierbeiners genau anschauen. Die Dinge, die einem nicht gefallen werden in einer neuen Umgebung in der Regel erst einmal schlimmer und die guten Verhaltensweisen abgeschwächt. Daher sollte man sich gut überlegen, wie viel Temperament, welche Unarten und welchen Ausbildungsstand man akzeptieren kann und mit welchen Voraussetzungen man selbst in der Lage ist weiter zu arbeiten. Im Vordergrund stehen da die üblichen Verdächtigen:
  • Steigen
  • Buckeln
  • Losreißen
  • Schreckhaftigkeit
  • Anrempeln und Umrennen im Umgang
  • Leckerliesuchmaschinen
  • Zaungänger und Zaunprüfer (die sobald sie an den Barthaaren keinen Strom spüren auf saftigere Weidegründe ausweichen...)
  • allgemein fehlender Gehorsam
  • geringe Ausbildungsstufe ("angeritten", was auch immer das heißt, ihr wisst schon)
  • fehlendes Training über eine lange Zeit
  • etc.
 
Ich habe sicherlich das eine oder andere vergessen, die wichtigsten Dinge dürften aber enthalten sein. Es steht dann also die Entscheidung an, was man akzeptieren kann, auch wenn es erst einmal schlimmer wird. 
 
 

Special: Introvertierte Pferde oder das Pulverfass

Introvertiertes PferdZu diesen ehrlichen Pferden gibt es als Ausnahme die introvertierten Exemplare, die ich hier im Detail beschreiben möchte, da ich es wichtig finde sie zu erkennen. Introvertierte Pferde sind eher in sich gekehrt, wirken ruhig und gelassen, bewegen sich ungern und reagieren schlecht auf die Hilfen, eben typische Schlaftabletten. Im Gegensatz dazu sind die extrovertierten Pferde gerne in Bewegung, zeigen Gefühlsregungen sehr direkt und sind daher je nach Charakter schreckhaft oder gelassen. Die eher introvertierten Pferde sind daher, wenn man bisher wenig Erfahrung mit ihnen hat schwer zu erkennen. Sie sind oft triebig, scheinen gelassen, als könnten Sie kein Wässerchen trüben bis eine Kleinigkeit passiert und sie unvorhersehbar einfach ausrasten! Steigen, Buckeln, Losrasen alles scheinbar grundlos. In den meisten Fällen liegt der Reiter dann im Sand oder das Pferd reißt sich bei der Bodenarbeit los und rennt panisch herum. Von dem Eindruck der Schlaftablette ist nichts mehr zu spüren. Diese Situationen entstehen, wenn das Fass überläuft. Introvertierte Pferde fressen erst einmal alles in sich hinein, bis die Grenze überschritten ist und sich die ganze Anspannung auf einmal entlädt.
Egal, ob ein Pferd nun von Geburt an Introvertiert war oder es anerzogen ist, beiden kann mit gezieltem Training geholfen werden sich besser gegenüber dem Menschen auszudrücken und zu kommunizieren. Dabei ist es aber wichtig, überhaupt zu erkennen, dass man ein solches Pferd hat und sich bewusst zu sein, dass ein längerer Weg vor einem liegt. Ein Hinweis darauf, dass etwas bei scheinbar totbraven, faulen Pferden nicht stimmt die Anzahl der Vorbesitzer und die Frequenz des Besitzerwechsels, wenn es nicht gut begründet werden kann. Sie werden schnell Wanderpokale, da diese Pferde an Menschen verkauft werden, die ein ruhiges Pferd suchen. Selbstverständlich kommen dann ausgerechnete diese Menschen mit den Explosionen nicht zurecht, verletzen sich im schlimmsten Falle und verkaufen dann nach kurzer Zeit wieder, weil es einfach zu gefährlich wird. 
In erfahrenen Händen sind diese Pferde wahre Goldstücke, da man über Vertrauensarbeit und der Arbeit an dem gemeinsamen Respekt einen Freund fürs Leben findet. Sobald sie gemerkt haben, dass wir niemals unmögliches verlangen, oft loben aber auch deutlich Grenzen setzen tauen sie auf und beginnen (wieder) mit uns zu kommunizieren. 
 
Als kleines Fazit kann man sagen, dass Mensch und Pferd einfach zusammen passen müssen. Ein unerfahrener Reiter benötigt in der Regel ein gut trainiertes, braves Pferd, während der erfahrene Reiter durchaus ein relativ rohes oder Korrekturpferd nehmen könnte. Auch wenn es sich nach einer Kategorie anhört, das ist es nicht. Es kommt immer sehr individuell auf das Pferd und den Menschen an, die Einschätzung ist eher als Richtschnur gedacht, damit man mit der rosaroten Sonnenbrille nicht anfängt sich alles schön zu reden und die Kaufentscheidung hinterher zu bereuen. Ich finde es daher nicht verwerflich ein Pferd wieder zu verkaufen, wenn sich im Laufe der ersten Monate herausstellt, dass die Chemie doch nicht stimmt. Es ist niemandem damit geholfen, wenn man trotz aller Bemühungen mit Bauchweh zum Stall fährt und Angst vor dem eigenen Pferd hat.
 
 

andere Haltungsbedingungen, neue Herde und neue (Trainings)umgebung

Neue HerdeJeder Stallwechsel, oder auch ein Wechsel innerhalb eines Stallkomplexes ist für ein Pferd stressig. Pferde sind Herdentiere und haben genauso wie wir ihre Freunde und Vertrauten, ob nun Vier- oder Zweibeinig ist erst einmal egal. Nach einem Wechsel befinden sie sich in einer neuen sozialen Umgebung und müssen sich erst einmal eingewöhnen. Das gilt nicht nur für den Kontakt zu anderen (unbekannten) Pferden, sondern natürlich auch für die Umgebung. Alles hat sich verändert und ein Pferd sucht in solchen Situationen erst einmal seinen Platz. Routinierte Pferde, die regelmäßig auf Reisen waren bringt so etwas wenig durcheinander, während unerfahren oder junge Pferde einige Tage bis Wochen brauchen um anzukommen. Lasst eurem Pferd die Zeit und habt Geduld! Erkundet gemeinsam die neue Umgebung, absolviert ein paar kurze Kennenlern-Trainingseinheiten, putzt in Ruhe und beobachtet euren neuen Wegbegleiter auf der Koppel oder dem Paddock. 
Wichtig ist, dass das Pferd sich in der neuen Umgebung wohl fühlt und zufrieden ist. Die Dauer des täglichen Auslaufs spielt da eine große Rolle, aber auch die Herdenzusammenstellung, die allgemeine Atmosphäre am Stall und die bisherigen Haltungsbedingungen. 
Ein Pferd das bisher nur draußen geritten wurde könnte eine Reithalle gruselig finden, während das Hallenpferd erst einmal überfordert ist, wenn es draußen geritten wird. Die neue (Lern)umgebung darf gerne gründlich untersucht werden bevor es an die anspruchsvollen Aufgaben geht. Nur ein entspanntes Pferd kann lernen und ist bereit Leistung zu bringen. 
Manchmal benötigt es ein paar Stallwechsel, bis man das Optimale für sich und sein Pferd gefunden hat, ich persönlich mag kleine Ställe, in denen sich die Herde kaum verändert und mit familiärer Atmosphäre sehr gerne. Dafür nehme ich dann auch in Kauf, dass evtl. keine Halle vorhanden ist und man im Stall mithelfen muss. 
In der Folge 3 meines Podcasts an "Eignet sich Horsemanship für jedes Pferd?" ab Minute 2:36 beschäftige ich mich intensiver mit den Haltungsbedingungen, hört dort gerne einmal rein. Den Podcast findet ihr hier:
 
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neue Bezugsperson

Ausritt mit KnotenhalfterJeder Mensch ist anders und die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Pferd ist stark geprägt von Vertrauen, Verständnis und gegenseitigem Respekt. Beim Kauf eines Pferdes hofft man natürlich, dass alles genauso wie beim Proberitt funktioniert. So kommt es, dass man mit einer bestimmten Erwartungshaltung zu dem neuen Pferd an den neuen Stall fährt und sich wundert, dass alles anders ist und gefühlt nichts funktioniert. 
Das ist allerdings ganz normal, es ist alles neu und auch Besitzer und Pferd müssen erst einmal zusammenfinden. Wie sehr das der Fall ist hängt stark vom Pferd ab, sehr gut ausgebildete und manche älteren Pferde lassen sich nicht so sehr beeindrucken, wie ein Jungspund oder ein Pferd, das bisher wenig in seinem Leben erlebt hat. Es macht also Sinn NICHTS vorauszusetzen. Ich betone es absichtlich, weil ich es sehr wichtig finde. Meiner Meinung nach ist es sinnvoll einmal ganz von vorn anzufangen und zu simulieren, als wäre das Pferd noch roh. Diese Phase dauert vielleicht nur ein paar Tage, aber man weiß am Ende genau, dass es keine Lücken in der Ausbildung gibt und hat sich so von der Pike auf alles noch einmal in Ruhe gemeinsam erarbeitet. 
Dafür eignen sich die Basislektionen des Horsemanship hervorragend, denn es handelt sich dabei um einfache Bewegungsabläufe, die den meisten Pferden leicht fallen. Man kommt schnell zum Lob und kann das neue Pferd so wunderbar motivieren und die Beziehung festigt sich. Die Übungen der Desensibilisierung gehören ebenfalls dazu und sorgen dafür, dass man auch bei flatternden Planen, plötzlichen Bewegungen oder rennenden Kindern später keine bösen Überraschungen erlebt. 
Ich würde das Vorgehen als eine Art "Pre Flight Check" beschreiben, das heißt man überprüft wie ein Flugzeugpilot, ob alle Werte in Ordnung sind und sich alle Schalter in der richtigen Position befinden.
 
 

veränderter Trainingsrhythmus 

Finn an der LongeDas bisherige Training und auch die Anzahl der Trainingseinheiten spielen eine große Rolle, da die Veränderung sich sehr auf das Verhalten auswirken kann. Ein Pferd, das das letzte halbe Jahr auf der Koppel verbracht hat muss langsam antrainiert werden während ein Pferd, das vorher täglich trainiert wurde mit vielen Stehtagen unzufrieden sein kann. Wie ein Pferd auf die gemeinsame Arbeit reagiert und wie oft trainiert werden sollte kommt starkt aufs Pferd an. Sobald ein bestimmter Punkt in der Ausbildung überschritten ist, Respekt und Vertrauen gefestigt sind und die Haltungsbedingungen stimmen, kann das Pferd sogar nach 3 Wochen Urlaubspause einfach aus dem Stall geholt und geritten werden. Es fühlt sich dann so an, als wäre nie eine Pause da gewesen. 
Weniger gut ausgebildete oder junge Pferde reagieren stärker auf längere Trainingspausen und brauchen schon nach einer Woche einen langsameren Trainingsstart. Eine weitere Überlegung ist, wie das Pferd auf Stehtage reagiert. Nehmen wir einmal an, dass wir an 4 Tagen Zeit haben mit dem Pferd zu arbeiten. Ist es da schlau, die Tage direkt nacheinander zu nehmen und dann 3 Stehtage zu haben, oder lieber zwischen den Trainingstagen ein Tag Pause. Ich empfehle das auszuprobieren. Es kommt stark aufs Pferd an, welche Strategie erfolgreicher ist. Manche sind nach einem Stehtag viel motivierter, konnten während der Ruhephase das neu Erlernte verarbeiten und setzen es dann umso williger um. Andere Pferde sind nach einem Stehtag ungenießbar. Sie motzen rum, diskutieren über Dinge, die eigentlich schon ausdiskutiert waren und der Trainingsfortschritt ist sehr zäh bis nicht vorhanden.
Es lohnt sich also, beide Varianten auszuprobieren um sich das gemeinsame Leben möglichst einfach zu gestalten.
 
 

verändertes Training/Umgang

Training mit PlaneNeben dem Trainingsrhythmus verändert sich vielleicht auch das Training selbst und der Umgang sowieso (siehe Kapitel "neue Bezugsperson" weiter oben). Hier ein paar Beispiele:
  • Schulpferd - Privatpferd
  • Turnierpferd - Freizeitpferd
  • Änderung der Sparte, z.B. Springpferd - Dressurpferd
  • Änderung der Trainingslehre, z.B. FN Dressur - Légèreté
  • neue Übungen
  • Bodenarbeit kommt hinzu
  • Fahrpferd - Reitpferd oder anders herum, oder beides 
  • Beritt/ Korrekturberitt
Nach meinen bisherigen Beobachtungen fällt Pferden der Wechsel von wenig Arbeit in gutes, pferdegerechtes Aufbautraining leicht. Pferde, die vorher sehr viel oder mit "harten Bandagen" trainiert wurden hingegen kommen mit Stehtagen und weniger intensivem Training schlechter zurecht. Sie nutzen die neue Freiheit aus und es kann zu Fehlverhalten und Unarten kommen. Ich vergleiche das gerne mit Kindern, die im Elternhaus recht strenge Regeln beachten müssen und dann eine Woche bei den Großeltern, die (fast) alles durchgehen lassen oder weniger autoritär sind Urlaub machen. Selbstverständlich kommt es aufs Kind (oder eben auf Pferd an), aber die "nettere" Art führt gerne mal dazu ausgenutzt zu werden. Das wird dann nach wenigen Tagen sehr anstrengend. 
Aus dem Grunde bin ich ein Verfechter von klaren Grenzen und Regeln, auf die sich das Pferd verlassen kann, für eine gute Haltung mit viel Bewegung, besonders wenn das Training reduziert wird und für eine Anpassung des Trainings auf eine Frequenz und Intensität, die das jeweilige Pferd benötigt. Im Verlauf kann das dann natürlich angepasst werden, aber so erleichtert man dem Pferd den Übergang in sein neues Leben.   
 
 

anderes Equipment

baumloser Sattel BarefootMit anderem Equipment meine ich zum Beispiel:
  • Reiten mit Gebiss - gebissloses Reiten
  • Dressur - Westernsattel
  • baumloser Sattel - Sattel mit Baum
  • longieren mit Trense - oder mit Kappzaum
Die Funktionen und Verhaltensweisen des Equipments können sich stark unterscheiden und so das Pferd durcheinander bringen. Ein Dressursattel liegt beispielsweise recht ruhig beim Longieren auf dem Pferderücken und die Steigbügel sind in der Regel hochgezogen. Bei einem Westernsattel sieht das ganz anders aus, die Steigbügel hängen herunter und berühren den Bauch und der Sattel wippt bei jeder Bewegung. Beim Reiten kommen die Hilfen außerdem anders beim Pferd an. Es hilft also, dem Pferd das Equipment einmal zu erklären und es daran zu gewöhnen. Die Basis ist für mich immer ein guter Status bei der Desensibilisierung, die in der Basis Bodenarbeit enthalten ist. Auf der Grundlage bleiben extreme Schreck- und Abwehrreaktionen meist aus. Das macht das gesamte Training für Mensch und Pferd entspannter. 
 
Es gibt also insgesamt einiges, was zu unerwünschtem Verhalten führen oder beitragen kann. Manchmal sind es einfach nur Missverständnisse oder resultiert aus der Überforderung des Pferdes. Ich bin deshalb ein großer Fan davon, im Zweifel erst einmal zu Gunsten des Pferd zu entscheiden und nach Ursachen für das Verhalten zu suchen. In der Regel kann man auch mit den Vorbesitzern einmal sprechen und sich dort Rat holen, oder man forscht selbst nach. Ruhe, Geduld und eine Prise Gelassenheit von unserer Seite her nehmen zusätzlich noch den Druck aus der Situation. Das finde ich sehr wichtig, denn das Leben unseres Vierbeiners wurde gerade umgekrempelt und da sollten wir von Anfang an versuchen der Fels in der Brandung zu sein, statt alles noch schlimmer zu machen. 
 
Damit sind wir auch schon wieder am Ende unserer heutigen Folge des Podcasts. Ich hoffe es hat euch gefallen, wenn ihr mögt abonniert gerne meinen Kanal auf YouTube oder tragt euch unter https://bluesky-horsemanship.de/index.php/contacts für den Newsletter ein um keine Folge zu verpassen. Lasst gern eure Gedanken, Anregungen oder Themenwünsche als Kommentar oder unter fragen@bluesky-horsemanship.de. Wenn ihr Fragen zu dieser oder einer der anderen Folgen habt stehe ich euch auch für persönliche Beratung und Coaching zur Verfügung  Ich freue mich von euch zu hören :)
 
Bis zum nächsten Podcast und bis dahin eine tolle Zeit!
 
Eure Daniela
 
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