13 September 2020

FAIRständnis im Pferdetraining

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Lesezeit: 8 Minuten

Ich habe die Facebook Gruppe "Horsemanship mit FAIRständnis und Leichtigkeit" gegründet und mir lange Gedanken darüber gemacht, wie ich sie nenne. Meine Sicht des Begriffs "Horsemanship" habe ich im Vergleich zwischen Longieren - Bodenarbeit - Horsemanship in diesem Beitrag erklärt:

https://bluesky-horsemanship.de/2021/03/16/wo-ist-der-unterschied-zwischen-longieren-bodenarbeit-und-horsemanship/

Heute geht es um das "FAIRständnis" und wie das gemeint ist. Oder anders gesagt, wie FAIRständnis unseren Pferden hilft in unserer Welt besser zurecht zu kommen und ein sicherer Partner für uns zu werden.

Das Wort ist zusammengesetzt aus Fair und Verständnis. Damit wir tatsächlich mit Pferden zusammenarbeiten können brauchen wir ein tiefes Verständnis für die Natur, das Verhalten und die Ausdrucksweise des Pferdes. Mit einem Blick zu erkennen, was unser vierbeiniger Partner gerade denkt und was er von uns braucht hilft enorm dabei das Training auf unser Pferd individuell anzupassen. Wir müssen also wissen, wie Pferde lernen wollen und wie wir ihm in kleinen Schritten mit gutem Timing erklären können, was es tun soll. Das ist meiner Meinung nach genau die Kunst und macht den Unterschied zwischen einem guten oder schlechten Reiter bzw. Trainer. 

Im Horsemanship-Training haben wir eine ganze Reihe von Standardübungen, die wir mit jedem Pferd durchführen. Das ist oftmals ein Kritikpunkt, denn jedes Pferd ist ja eine eigenständige Persönlichkeit und bei jedem Pferd die gleichen Übungen in der Ausbildung zu absolvieren erweckt gerne den Eindruck, dass es ein "mechanisches System" wäre, das "Befehlsempfänger-Zombie-Pferde" produzieren würde. Dazu kommt dann noch weitere Kritik von Menschen, die das Horsemanship-Training ausprobiert haben und bei denen es entweder nicht funktioniert hat, oder die es einfach nicht mochten. 

Als Horsemanship-Trainerin bin ich natürlich der Meinung, dass sich das Horsemanship-Training für jedes Pferd eignet. Ist ja klar, was auch sonst 😉

Aber Scherz beiseite...

Ich hatte eingangs gesagt, dass ein Verständnis für die Natur des Pferdes notwendig ist um pferdegerecht zu trainieren. Man kann einem Pferd alles Mögliche auf pferdegerechte Art und Weise beibringen, eben auch die typischen Übungen des Horsemanship-Trainings, aber genauso Dressurlektionen, Westernreitlektionen, Springen, Fahren und was es sonst noch alles gibt. Das WIE ist dabei der springende Punkt und genau daher stammt das Wort FAIR! Jemand der die Natur des Pferdes kennt kann jedes Pferd dazu bringen beinahe alles zu tun. Bei genauer Beobachtung weiß man, wie weit man gehen kann und wie viel Druck das jeweilige Tier aushält bevor es anfängt sich zu wehren. Auf die Weise kann man es dazu bringen z.B. in einen Anhänger zu steigen, obwohl es noch nicht bereit ist, einen Reiter zu akzeptieren, obwohl es noch nicht soweit ist, an gruseligen Sachen vorbei zu gehen, obwohl es Angst hat.

Solches Training erkennt man allerdings sehr leicht, denn jede Gegenwehr und jedes Widerwort des Pferdes wird direkt mit hohem Druck quittiert, anstatt auf den Grund einzugehen und erst wieder die Entspannung mit an Board zu holen. 

Deshalb liegt mir Fairness gegenüber den Pferden sehr am Herzen. Ich möchte keinen Befehlsempfänger, sondern ein Pferd, das aus Vertrauen, Verständnis, Respekt und mit einem gesteigerten Selbstvertrauen entspannt neue Herausforderungen angeht und sie meistert. Das schweißt zusammen und mit jeder Trainingseinheit und jeder Herausforderung wird die gemeinsame Verbindung enger. 

Deshalb ist das Horsemanship-Training, richtig angewendet, nicht mechanisch oder bringt "Befehlsempfänger-Zombie-Pferde" hervor. Im Gegenteil, die Pferde lernen den Umgang mit schwierigen Situationen. Dabei "programmieren" wir den Fluchtinstinkt um und sorgen für mehr Neugier und weniger Flucht. Sie lernen auf Druck nachzugeben statt ihrer Natur nach dagegen zu gehen und heftig zu reagieren. Außerdem werden sie gegenüber Druck von außen (Verkehr, Geräusche, Gegenstände, andere Mitreiter) entspannter. Beides hilft den Pferden in unserer Welt besser zurecht zu kommen und ein sicherer Partner für uns zu werden. 

Dazu kommt ein besseres Körpergefühl und neue Bewegungsabläufe, die es dem Pferd erlaubt elastischer und wendiger zu reagieren. In meinem Kundenkreis gibt es ein paar Pferde, die sich nach einer Weile Horsemanship Training in der Herde deutlich selbstbewusster geben und sogar in der Rangordnung gestiegen sind. Sie führen nun dank des Trainings ein entspannteres Leben. 

An dieser Stelle möchte ich auch den Pferdebesitzern Mut machen, für die das Horsemanship-Training bisher nicht funktioniert hat oder die es nicht mochten. Meine Art des Trainings unterscheidet sich teilweise von den anderen Horsemanship Trainern. Das Ziel bleibt das gleiche, aber der Weg dahin unterscheidet sich. Das liegt an verschiedenen Faktoren, unter anderem an den örtlichen Gegebenheiten. Hier in Deutschland hat nicht jeder einen Roundpen oder endloses Ausreitgelände auf Feldwegen, die selten oder gar nicht befahren sind. Die meisten Menschen haben keine Jahrzehnte Pferdeerfahrung und stehen so einem diskussionsfreudigen Pferd nicht besonders selbstbewusst gegenüber. 

Die Pferde unterscheiden sich ebenfalls.

Oftmals werden in Amerika Quarter Horses und ähnliche kompakte Pferde ruhigeren Gemüts eingesetzt, während hier in Deutschland eher blütige Pferde im Einsatz sind, die vom Charakter her schon einen deutlichen Unterschied machen. In Amerika ist die Einstellung zum Pferd außerdem eine etwas andere, bedingt durch die Geschichte als Arbeitspferd sind es eher "Arbeitskollegen", während ein Pferd hier in Deutschland eher Freund und Familienmitglied ist. Eine große Zahl an Pferden in Amerika weicht deshalb eher und ist dem Menschen gegenüber zurückhaltend, sie ruhen mehr in sich und können nötigenfalls auch stundenlang stillstehen. Hier in Deutschland habe ich es dagegen sehr oft mit Pferden zu tun habe, die keinerlei Distanz einhalten, teils nach Leckerlie in meinen Taschen suchen, ständig durch äußere Einflüsse abgelenkt sind und keine Minute stillstehen können.

Selbstverständlich ist der Vergleich hier etwas überzogen und es gibt auf beiden Seiten des großen Teichs Ausnahmen. Trotzdem erklärt es, wieso ich mein Training für unsere deutschen Pferde angepasst habe. 

Ich mag es, ebenso wie viele meiner Landsleute, nicht mit viel Druck zu arbeiten. Statt dessen nehme ich es in Kauf, dass alles eben etwas länger dauert. Dann habe ich die Aufgaben in kleinere Häppchen unterteilt und teilweise modifiziert, damit sie auch Menschen, die nicht ein Leben lang mit Pferden gearbeitet haben nacharbeiten können. 

Durch einen individuellen Übungsaufbau mit machbaren und verständlichen Aufgaben, viel Lob, Entspannung und kurzen Reprisen konnte ich so schon viele skeptische Menschen für das Horsemanship-Training begeistern 🙂

Alles baut also auf Fairness und Verständnis auf, motiviert und bringt Mensch und Pferd wieder näher zusammen. Das ist meine Art des Horsemanship-Trainings. 

Mich interessiert eure Sicht auf FAIRständnis im Horsemanship und auch ganz allgemein in der Pferdewelt. Wie denkt ihr darüber? Was sind eure Erfahrungen?

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Bis dahin eine gute Zeit für dich und deinen vierbeinigen Partner 🙂
Eure Daniela

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