28 Juli 2022

Gelassenheitstraining – Die 5 größten Fehler

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Gelassenheitstraining ist in aller Munde! 

Sicherlich hast du auch schon selbst einmal die eine oder andere Übung probiert. Nur was ist eigentlich die Theorie dahinter, was sollte man tun und was besser nicht? Welche Herangehensweise hilft meinem Pferd am meisten? Das besprechen wir alles in diesem Beitrag!

Hi, ich in Daniela von BlueSky-Horsemanship und arbeite seit mehr als 12 Jahren nach Horsemanship Prinzipien mit Pferden. Dabei begegnen mir immer wieder Pferde, die von anderen bereits aufgegeben wurden und bei denen kein Training zu funktionieren scheint.

In diesem Video spreche ich mit dir über die 5 größten Fehler beim Gelassenheitstraining und ganz nebenbei lernst du ganz viel über die Herangehensweise und die Theorie dahinter. Kleiner „Pro-Tipp“: Gelassenheitstraining macht für alle Pferde Sinn, nicht nur für offensichtlich nervöse Pferde 😉

Wenn du also mehr Gelassenheit und eine großartige Vertrauensbasis mit deinem Pferd haben möchtest dann ist das genau dein Video – gib dem Video ein Like und abonniere meinen Kanal, damit gibst du anderen die Chance ebenfalls dieses Video zu finden.

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Fehler 1: Vorsichtig & Langsam arbeiten...

... und dabei versuchen das Pferd ruhig zu halten.

Ich sehe immer wieder Gelassenheitstraining bei dem Pferde mit verschiedenen Taktiken vorsichtig an Gegenstände und Situationen herangeführt werden. Planen werden ganz klitzeklein zusammengefaltet, Bewegungen ganz vorsichtig ausgeführt, möglichst wenig Geräusche produziert und falls das Pferd sich doch einmal erschrickt oder aufregt gibt es eine kleine Pause und es wird von vorn begonnen. Bei Hindernissen wie beispielsweise Plane oder Anhänger geht der Mensch oftmals vor und das Pferd folgt.

Um zu verstehen, wieso ich diese Vorgehensweise nicht so effektiv und sinnvoll finde möchte ich einmal erklären, welchen Sinn für mich das Gelassenheitstraining hat. Ich möchte mit dem Gelassenheitstraining mein Pferd auf unerwartete und für mich unkontrollierbare Situationen im Gelände vorbereiten. Also auf die Siloplane, die bei starkem Wind direkt neben unserem Weg flattert, auf den Hund, der unerwartet kläffend aus dem Gebüsch hervorschnellt oder auf das eBike, das leise und schnell plötzlich neben uns auftaucht. Daher ist für mich Gelassenheitstraining ein Spiel zwischen Entspannung und Anspannung. Ich biete meinem Pferd so ganz gezielt die Möglichkeit sich in sicherer Umgebung verschiedene "Gruselobjekte" selbst zu erarbeiten. Alles natürlich dem Ausbildungsstand entsprechen.

Das wichtige daran: Mein Pferd bekommt so Handlungsalternativen zur instinktgemäßen Flucht. In unserer sicheren Welt ohne Säbelzahntiger und anderen Beutegreifern, dafür aber mit Radfahrern, Autos, schweren Maschinen, Stacheldraht usw. ist der Fluchtinstinkt eine Gefahr. Das heißt je seltener und kürzer die "Flucht" ausfällt und je schneller das Pferd den Kopf wieder frei hat desto sicherer ist diese Welt für unser Pferd - und uns!

Deshalb gehe ich beim Gelassenheitstraining recht "unvorsichtig" und für das Pferd offensichtlich vor, es darf auch mal wegspringen, sich erschrecken oder loslaufen. Allerdings gehe ich nie über die Grenze zur Panik, sondern taste mich heran, so dass es unkomfortabel genug ist um die Komfortzone auszuweiten, aber nicht so "schlimm", dass es in Angst und Panik verfällt. Ich lobe dabei auch schon kleine Erfolge und baue eine Pause ein, so dass genug Zeit und Ruhe für Entspannung da ist. Gerade beim Gelassenheitstraining ist das sehr wichtig, denn unter Stress ist lernen nicht möglich, die wahren Durchbrüche kommen dann in den Entspannungspausen.

Mit meinen Kunden starte ich diese Art des Gelassenheitstrainings mit sehr einfachen Übungen, bei denen ihr lernt zum passenden Zeitpunkt zu loben und dennoch das Pferd etwas herauszufordern. Die Herausforderung erlaubt deinem Pferd mental zu wachsen, gleichzeitig lernt es sich nach einer Anspannung schnell wieder zu entspannen. Das ist der "On/Off" Knopf, den ich mit bei jedem Pferd wünsche. Energie wenn wir es möchten, aber auch Entspannung quasi auf Knopfdruck.

Fazit: Gelassenheitstraining sollte also eine Herausforderung sein und an die Grenze der Toleranz gehen um die Komfortzone auszuweiten und um schnelles entspannen nach einem Schreckmoment zu fördern.


Fehler 2: Mit Leckerlie arbeiten

Beim Gelassenheitstraining werden auch gerne einmal Leckerlie verwendet, besonders Pferde, die total auf Leckerlie stehen lassen sich so über das eine oder andere Hindernis locken. Andere tun alles um danach endlich das Leckerlie zu bekommen und wir verkommen zu einer "Leckerlie-Maschine". Ich verwende daher bei den meisten Pferdecharakteren grundsätzlich keine Leckerlie, weil sich die Pferde von den Leckerlies sehr ablenken lassen und es nicht selten zu respektlosem Verhalten kommt, das dann wiederum korrigiert werden muss.

Das gilt auch für das Gelassenheitstraining. Pferde die "auf Leckerlie" sind versuchen alles um weitere Leckerlie zu bekommen, ihre Aufmerksamkeit ist also nicht auf die Übungen oder Gegenstände fokussiert sondern vielmehr auf den Menschen mit den Leckerlie. Ich möchte beim Gelassenheitstraining aber, dass die Pferde sich mit den Aufgaben des Gelassenheitsparcours beschäftigen und nicht ständig abgelenkt sind. Würde man mit so einem Pferd zu einen späteren Zeitpunkt den gleichen Parcour ohne Leckerlie absolvieren hätte man ein anderes Pferd, weil es vorher einfach nicht aufgepasst hat und alles plötzlich neu und unbekannt erscheint.

Den Effekt kennt vermutlich jeder bei sich selbst, der schon einmal eine längere Autofahrt hinter sich gebracht hat - geführt vom Navi und mit einem netten Gesprächspartner auf dem Beifahrersitz. Fragt dich am Abend jemand welche Route du gefahren bist kommt es nicht selten vor, dass du dir dessen überhaupt nicht bewusst bist. Unseren Pferden geht es mit Ablenkung ebenso, denn Aufmerksamkeit und Konzentration sind nur begrenzt verfügbar, daher ist es schlau sie gezielt einzusetzen.


Fehler 3: Fehlende Basisausbildung am Boden

Eine gute Vorbereitung ist nur doch noch bessere Vorbereitung zu ersetzen 😉

Oftmals wird Gelassenheitstraining als Gruppentraining angeboten und ein Parcour aufgebaut ohne im Vorfeld die Ausbildungsstände von Pferd und Reiter abzufragen. Zugegeben, die meisten Pferde kommen damit zurecht, schauen sich einiges von den anderen Pferden ab und machen dann recht gut mit. Es gibt aber auch Pferde, die einfach noch nicht so weit sind oder bisher keine gute Basisausbildung am Boden erhalten haben. Dazu gehören auch die Pferde deren Reiter unterm Sattel wunderbar zurechtkommen, aber am Boden Schwierigkeiten bestehen. Startet man nun in einen Gelassenheitsparcour mit so einem Pferd besteht die Gefahr, dass das Pferd überhaupt nicht zur Ruhe kommt, völlig überfordert ist und sich dieses schockierende Erlebnis dann im Alltag durch erhöhte Schreckhaftigkeit auswirkt.

Deshalb empfehle ich eine gute Basisausbildung am Boden bevor man sich für einen Gelassenheitsparcour anmeldet. Falls der Parcour auch geritten werden soll sollte die Ausbildung unterm Sattel natürlich ebenfalls stimmen. Beim Gelassenheitstraining startet man in der Regel aus Sicherheitsgründen am Boden, erklärt dem Pferd die Aufgaben und Hindernisse und steigt erst danach in den Sattel. Fehlt jedoch eine saubere Ausbildung am Boden und eine grundsätzliche Gelassenheit des Pferdes im Alltag wird das Gelassenheitstraining zu einem Spießrutenlauf und birgt einiges an Verletzungspotential. Daher beginne ich mit dem Gelassenheitstraining nicht bevor ich dem Pferd erklärt habe wie es mir weichen soll. Zur normalen Grundausbildung am Boden gehören bei mir schon einige Gelassenheitsübungen, wie die Desensibilisierung auf Gerten/Peitschen/Horsemanstick, auf Plastiktüten und Plane. Das sind alles Übungen, die sich im Alltag recht einfach integrieren lassen. Meistert das Pferd diese Übungen am Boden ist die Zeit gekommen an so einem Kurs teilzunehmen. Dann wird dein Pferd (und auch du!) an den Aufgaben wachsen, es macht Spaß und ihr geht entspannter und scheckfreier aus dem Kurs nach Hause.


Fehler 4: Nur mit unruhigen Pferden Gelassenheitstraining machen

Die Motivation vieler Reiter mit ihrem Pferd Gelassenheitstraining zu machen ist ihr Pferd ruhiger und entspannter zu machen. Meist sind das Pferde, die im Alltag unruhig sind, sich schnell erschrecken und bei denen offensichtlich ein Anti-Schreck Training Sinn macht.

Vergessen werden aber oft die Pferde, die im Alltag ruhig, faul und triebig sind. Deren Reiter konzentrieren sich so sehr auf das Problem mit dem vorwärts, dass alles andere in den Hintergrund rückt. Diese Pferde sind in ihrem normalen Umfeld sehr gelassen und entspannt, das kann sich aber ändern, wenn das Training an einem anderen Ort stattfindet oder sich in der gewohnten Umgebung etwas ändert.

Ohne gezieltes Gelassenheitstraining sind auch diese Pferde mit neuen Situationen oder gruseligen Gegenständen schnell überfordert. Erschwerend kommt dann noch dazu, dass die Reiter dieser Pferde ihre Pferde im Fluchtmodus nicht kennen und dann auch selbst keine Lösung wissen. Daher sollte Gelassenheitstraining und das Spiel mit der Energie einen festen Platz im Training bei jeder Art von Pferd haben. Es ist sehr spannend zu sehen, wie die "Schlaftablette" unter den Teilnehmern plötzlich große Augen bekommt und die Flucht antritt nur weil die Plane am Boden sich mit dem Wind ein wenig knisternd bewegt hat. Auch eher ruhige und gelassene Pferden haben den Fluchtinstinkt in sich verankert und reagieren entsprechend auf äußere Einflüsse, wenn sie außerhalb ihrer Toleranzgrenze sind. Deshalb sollten auch diese Pferde im Training erfahren, welche Alternativen es zur Flucht gibt und wie man klug mit schwierigen Situationen umgeht.


Fehler 5: Timingprobleme

Beim Gelassenheitstraining reagieren viele Pferde nervös, tänzeln herum oder versuchen sich durch Flucht zu entziehen. Das ist ganz normal und in der Natur des Fluchttieres Pferd verankert. Ohne gute Vorbereitung kann so eine Reaktion dann schonmal heftig ausfallen und das Pferd und den Reiter überfordern. In solchen Momenten wird dann der "gruselige Gegenstand" weggenommen und das Pferd so in seiner Reaktion bestärkt. Das heißt aus Pferdesicht: Gruseliger Gegenstand kommt - ich renne weg - gruseliger Gegenstand verschwindet. Also hat Mutter Natur alles richtig gemacht und das Pferd wird in seinem Fluchtverhalten bestärkt. Leider ist genau das ja nicht das Ziel unseres Gelassenheitstrainings!

Wir hätten gerne folgende Reaktion unseres Pferdes: Gruseliger Gegenstand kommt - unser Pferd erschrickt sich, hüpft evtl. auf der Stelle, dreht sich hin um genau zu schauen, was es ist - in dem Moment können wir z.B. absitzen oder uns mental auf die weiteren Reaktionen des Pferdes einstellen. Statt nun aber weiter heftig zu reagieren geht das Pferd sogar auf das gruselige Ding zu und möchte es genauer untersuchen. Es zeigt also nicht das instinktive Fluchtverhalten sondern wägt ab, wie "schlimm" es wirklich ist und handelt dann so wie es die Situation erfordert. Selbstverständlich kann auch ein solches Pferd noch einmal die Flucht wählen, aber die erste Reaktion erlaubt es uns einzugreifen und vorbereitet zu sein.

Wie genau trainieren wir das? Durch Gelassenheitstraining mit gutem Timing. Wir bauen die Trainingssituation so auf, dass wir das Pferd zwar an die Grenze seiner Komfortzone bringen, es aber nicht in Panik geraten lassen. Dann warten wir geduldig bis das Pferd sich beruhigt und beispielsweise stehen bleibt. In dem Moment nehmen wir den Reiz weg und loben das Pferd. Auf die Art bleibt die Situation für uns händelbar und die Pferde entspannen sich nach den einzelnen Übungen sehr schnell wieder.  Außerdem sorge ich gerne dafür, dass sich das Pferd den "gruseligen Gegenstand" genau anschaut und nach der jeweiligen Trainingssequenz eine Pause bekommt. Eine Trainingssequenz besteht dabei aus - gruseligen Gegenstand zeigen - warten bis sich das Pferd beruhigt - gruseligen Gegenstand wegnehmen - und dann eine Pause. Richtig durchgeführt zeigen die Pferde in den Pausen Neugier und Entspannungsverhalten wie lecken & kauen, tief durchatmen oder Kopf senken. Das ist dann das Lob an dich und das Zeichen, dass die Trainingsintensität für dein Pferd genau richtig war.

Ich baue dabei das Training außerdem immer so auf, dass ich am Ende mit einem entspannten Pferd vom Platz gehe. Anfangs braucht das ein wenig Fingerspitzengefühl und ein herantasten an die Aufgaben, mit der Zeit entwickelt man dann aber ein Gespür dafür, wie weit man mit seinem Pferd gehen kann.


Fazit

Ich finde korrekt durchgeführtes Gelassenheitstraining sehr wertvoll und unerlässlich. Wir zeigen den Pferden so Handlungsalternativen zur Flucht und gewöhnen sie nebenbei an viele Geräuschen, Bewegungen und Gegenständen. Das ist sozusagen unser "Sicherheitsnetz", das uns später hilft unser Pferd auch in schwierigen Situationen, die wir nicht kontrollieren können zu händeln.


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